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Qualitätsrichtlinien Isolierglas


Glasoberfläche
Isolierglas kann aufgrund der Eigenart der verwendeten Materialien, aber auch aufgrund der
Erzeugung diverse Merkmale aufweisen. Solche Merkmale können sein: Haarkratzer, Kratzer, Blasen,
Punkte, Flecken, Rückstände, Einschlüsse etc. Je nach Art der Merkmale, ihrer Häufigkeit, Größe und
Position auf der Isolierglasscheibe ist zu beurteilen, ob ein Qualitätsmangel vorliegt.
Die Beurteilung erfolgt gemäß ÖNORM B 3738 Glas im Bauwesen – Isolierglas Anforderungen an die
visuelle Qualität (Ausgabe 2008-07-01) entsprechend den nachfolgend beschriebenen
Prüfgrundsätzen mit Hilfe der in der Tabelle 1 angegebenen Zulässigkeiten. Die Beurteilung von
speziellen Verglasungen wie z.B. einbruchhemmenden Verglasungen, Alarmglas, Brandschutzglas
etc. unter Zugrundelegung dieser Qualitätsrichtlinien ist nur eingeschränkt möglich. Gegebenenfalls
sind zur Beurteilung solcher Gläser die Herstellerhinweise zu berücksichtigen.

Merkmale Glas
Generell ist bei der Prüfung auf Mängel die Durchsicht durch die Scheibe, d.h. die Betrachtung des
Hintergrunds und nicht die Aufsicht maßgebend. Dabei dürfen die Beanstandungen nicht besonders
markiert sein. Die Prüfung der Verglasungseinheiten ist in einem Abstand von etwa 1 m zur betrachteten Oberfläche aus einem Betrachtungswinkel, welcher der allgemein üblichen Raumnutzung entspricht, vorzunehmen. Geprüft wird bei diffusem Tageslicht (z.B. bei bedecktem Himmel) ohne direktes Sonnenlicht oder künstlicher Beleuchtung.

Doppelscheibeneffekt
Isolierglas hat ein eingeschlossenes Gasvolumen, dessen Zustand im Wesentlichen durch den
Luftdruck, die Höhe der Fertigungsstätte über Normal-Null sowie die Lufttemperatur zurzeit und am
Ort der Herstellung bestimmt wird. Beim Einsatz von Isolierglas in anderen Höhenlagen, bei
Temperaturänderungen und Schwankungen des Luftdrucks (Hoch- und Tiefdruck) ergeben sich
zwangsläufig Durchbiegungen der Einzelscheiben und damit optische Verzerrungen.
Diese Erscheinung ist eine physikalische Gesetzmäßigkeit aller Isolierglaseinheiten. Ein
Doppelscheibeneffekt stellt keinen Mangel in der Qualität dar, die Scheiben dürfen sich jedoch nicht
berühren.

Eigenfarbe
Alle bei Glaserzeugnissen verwendeten Materialien haben rohstoffbedingte Eigenfarben, welche mit
zunehmender Dicke deutlicher hervortreten können. Auch beschichtete Gläser haben eine Eigenfarbe.
Diese Eigenfarbe kann in der Durchsicht und/oder in der Aufsicht unterschiedlich erkennbar sein.
Schwankungen des Farbeindruckes sind aufgrund des Eisenoxidgehalts des Glases, des
Beschichtungsprozesses, des Beschichtungsmaterials sowie durch Veränderungen der Glasdicken
und des Scheibenaufbaus möglich und nicht zu vermeiden.

Isolierglas mit innenliegenden Sprossen
Sichtbare Sägeschnitte und herstellungsbedingte, geringfügige Farbablösungen im Schnittbereich
sind zulässig. Abweichungen von der Rechtwinkligkeit der Felder sind unter Berücksichtigung des zuvor
behandelten Themas „Prüfung“ zulässig. Auswirkungen von temperaturbedingten Längenänderungen bei Sprossen im Scheibenzwischenraum (z. B. Gehrungsspalt, Durchbiegungen etc.) können grundsätzlich nicht vermieden werden und sind daher zulässig. Die Wahrnehmung der Farbe der Sprossen kann durch Beschichtungen bzw. der Eigenfarbe des Glases beeinträchtigt werden.

Benetzbarkeit
Bei feuchten Glasoberflächen infolge von Tauwasser, Regen oder Reinigungswasser kann eine
unterschiedliche Benetzbarkeit sichtbar werden. Diese Erscheinung kann z.B. durch Abdrücke von
Rollen, Etiketten, Vakuumsaugern, Glättmitteln etc. auftreten und stellt keinen Mangel dar.
Diese Erscheinung verringert sich in der Regel mit Fortdauer der Nutzung.

Optische Erscheinungen (Anisotropien) bei ESG (Einscheibensicherheitsglas) und TVG
(Teilvorgespanntes Glas)
Bei der Herstellung von wärmebehandelten Gläsern (ESG und TVG) entstehen unterschiedliche
Eigenspannungen, sogenannte Anisotropien. Diese werden unter einem bestimmten Lichteinfall in
Form von dunkelfarbigen Ringen und Streifen sichtbar. Dies ist ein unvermeidbarer, herstellungs-bedingter, physikalischer Effekt und stellt keinen Grund für eine Reklamation dar.
Quelle: ÖNORM B 3738 Glas im Bauwesen - Isolierglas, Anforderungen an die visuelle Qualität; Ausgabe
2008-07-01

Sprossenklirren
Durch Umgebungseinflüsse (z.B. Doppelscheibeneffekt) sowie durch Erschütterungen oder manuell
angeregte Schwingungen können bei im Scheibenzwischenraum von Isolierglas liegende Sprossen
zeitweilig Klappergeräusche entstehen. Diese Effekte stellen keinen Mangel dar.
Version 3.0/2011 15

Thermischer Spannungsbruch
Thermischer Spannungsbruch entsteht, wenn durch ungleichmäßige Erhitzung, Abschattung oder
Abdeckung Temperaturunterschiede über 40°K (bei Floatglas) innerhalb einer Glasscheibe entstehen,
welche zu Spannungen und letztlich Bruch der Glasscheibe führen.
Thermischer Spannungsbruch ist kein Verarbeitungsfehler oder Produktmangel sondern eine
unvermeidbare Materialeigenschaft und unterliegt nicht der Gewährleistung.
Durch den Einsatz von ESG-Glas verringern Sie die Gefahr von thermischen Spannungsrissen
erheblich und erhöhen mit vergleichsweise geringem Aufwand die Beständigkeit Ihrer Glasflächen.
Details siehe Merkblatt – Thermischer Spannungsbruch am Isolierglas (download unter
www.fensterundfassaden.at)

Tauwasserbildung am Bauteil Isolierglas
Die Tauwasserbildung auf der raumseitigen Scheibenoberfläche wird bei Behinderung der
Luftzirkulation, z.B. durch tiefe Laibungen, Vorhänge, Blumentöpfe, Innenjalousien etc. sowie durch
ungünstige Anordnung der Heizkörper oder ähnlichem gefördert.
Daher ist Tauwasserbildung lt. ÖNORM B8110-2 zulässig. Es ist dann durch geeignete Maßnahmen
sicherzustellen dass der anschließende Bauteil nicht durchfeuchtet wird.
Bei Isolierglas mit hoher Wärmedämmung kann sich auf der witterungsseitigen Glasoberfläche
vorübergehend Tauwasser bzw. Eis bilden, wenn die Außenfeuchtigkeit (rel. Luftfeuchte außen) hoch
und die Lufttemperatur höher als die Temperatur der Scheibenoberfläche ist.
Details siehe Merkblatt – Kondenswasserbildung an Fenstern und Türen (download unter
www.fensterundfassaden.at) und Kapitel 8
Quelle:ÖNORM B 8110-2 Wärmeschutz im Hochbau, Teil 2 Wasserdampfdiffusion und
Kondensationsschutz; Ausgabe 2003-07-01

WICHTIGER HINWEIS
Bei halbgeschlossenen Sonnenschutzprodukten (Rollläden, Raffstore, Jalousien, Plissee,...) kann es aufgrund der unterschiedlichen Hitzeentwicklung zwischem dem beschatteten und dem nicht beschattetem Teil der Glasscheibe zu thermischen Glasbrüchen kommen. Dies stellt KEINEN Gewährleistungs- oder Garantieanspruch dar. Nur durch die Verwendung von ESG (Einscheiben-Sicherheits-Glas) können solche Glasbrüche verhindert werden. Wir bitten Sie um besondere Vorsicht.